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"Am spannendsten ist, dass das Wasserstoffnetz jetzt tatsächlich in die Realität umgesetzt wird."

Dr. Tobias Neuhauser ist Werkstoffingenieur mit Schwerpunkt Wasserstoff. Er bewertet gemeinsam mit seinen Kolleg:innen die Wasserstoffeignung unseres rund 3.000 km langen Leitungsnetzes.

terranets bw: Bild von Tobias Neuhauser

Wer sind Sie und was ist Ihr Job bei terranets bw?

Mein Name ist Tobias Neuhauser und bei terranets bw bin ich Werkstoffingenieur mit dem Schwerpunkt Wasserstoff. Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen bewerte ich die Wasserstoffeignung unseres Gasnetzes und leite Maßnahmen für die Umstellung ab. Neben rund 3.000 Kilometer Gashochdruckleitungen umfasst das eine Vielzahl von Bauteilen und Anlagen, wie Armaturen, Verdichter, Gasspeichern und Gas-Druckregelmessanlagen (GDRM-Anlagen).

Wo arbeiten Sie bei terranets bw?

Mein Arbeitsplatz ist in der Zentrale in Stuttgart. Je nach Projekt bin ich aber auch an unseren Betriebsanlagen oder auf unseren Baustellen in Baden-Württemberg und Hessen unterwegs. Es ist also eine abwechslungsreiche Mischung aus Büroarbeit und Praxis vor Ort.

Was ist Ihre konkrete Aufgabe?

Wir schauen uns an, ob unsere Leitungen und Anlagen auch unter Wasserstoff zuverlässig funktionieren. Wie wirkt sich Wasserstoff auf die Materialeigenschaften unserer Leitungen aus? Wie verhält sich ein Porenspeicher bei der Beimischung von Wasserstoff? Diese Fragestellungen untersuchen wir anhand von Experimenten, Berechnungen und der vorliegenden Dokumentation. Mein Anspruch dabei ist immer ein tiefgreifendes Verständnis über das Verhalten der Leitungen und Anlagen zu entwickeln. Auf Basis der Analysen führen wir gemeinsam mit Sachverständigen eine Bewertung durch und leiten notwendigen Maßnahmen ab, um unser Netz sicher und zukunftsfähig für den Wasserstofftransport zu machen.

Welche Entwicklungen im Bereich Wasserstoff finden Sie aktuell besonders spannend?

Am spannendsten finde ich, dass das Wasserstoffnetz jetzt tatsächlich in die Realität umgesetzt wird. Im vergangenen Jahr wurden rund 500 Kilometer Leitung fertiggestellt. Das war vor einigen Jahren noch kaum vorstellbar. Der Aufbau eines Wasserstoffnetzes in diesem Ausmaß ist ein weltweit einzigartiges Projekt. Hautnah dabei zu sein, wie in einem Industrieland wie Deutschland ein komplett neuer Energiesektor entsteht, ist faszinierend.

Wie sehen Sie die Rolle von Wasserstoff in der Energieversorgung der Zukunft?

Wasserstoff wird ein zentraler Baustein der Energieversorgung sein. Aktuell stammen etwa 20 Prozent des deutschen Primärenergieverbrauchs aus erneuerbaren Energien. Um das ehrgeizige Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, müssen wir alle verfügbaren Technologien und Hebel nutzen. Wasserstoff spielt dabei eine Schlüsselrolle, insbesondere bei industriellen Prozessen, in der chemischen Industrie und beim Ausgleich von saisonalen Schwankungen der erneuerbaren Energien. Dabei ist der größte Vorteil die langfristige Speicherbarkeit von Wasserstoff. Gerade bei Spitzenlasten in Wintermonaten oder Dunkelflauten bietet Wasserstoff die Grundlage für eine flexible Wärme- und Stromproduktion.

Wie tragen Sie zur sicheren Versorgung bei?

Mit der Wasserstoffbewertung unseres Netzes schaffen wir die Grundlagen für ein zuverlässig funktionierendes Wasserstoffnetz. Das Ziel ist klar: Die Versorgungsicherheit bei Wasserstoff muss auf dem gleichen hohen Niveau, wie bei Erdgas sein.

Wie gefällt Ihnen die Arbeit bei terranets bw?

Mir macht besonders die Vielfältigkeit meiner Aufgaben Spaß. In meinem Arbeitsalltag bewege ich mich zwischen theoretischen Berechnungen und praktischen Untersuchungen auf der Baustelle. Es gibt Tage, da präsentiere ich morgens im weißen Hemd unsere Untersuchungsergebnisse und nachmittags stehe ich bis zu den Knöcheln im schlammigen Rohrgraben. Diese Kombination von Theorie und Praxis findet man selten und macht im Arbeitsalltag richtig Spaß.

Tobias Neuhauser, vielen Dank für das Gespräch.
 

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